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Frühmittelalterliches Taufbecken an der St. Remigiuskirche in Ingelheim entdeckt


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Die Ausgrabungen an der St. Remigiuskirche in Ingelheim haben in den vergangenen drei Jahren bereits viele aufschlussreiche Erkenntnisse über die Geschichte des Gotteshauses erbracht. Zum Beispiel die Feststellung, dass der frühmittelalterliche Vorgängerbau der Remigiuskirche in der Zeit vor 700 entstand und damit als eine der frühesten merowingerzeitlichen Kirchengründungen am Mittelrhein bezeichnet werden kann. Der aufsehenerregendste Fund der letztjährigen Grabungen kam im Innern des Kirchturms zu Tage, wo die Archäologen der Forschungsstelle Kaiserpfalz Ingelheim auf zwei Sarkophag-Gräber aus dem 11. Jahrhundert stießen.

Ein weiterer wichtiger Fund aus dem letzten Jahr konnte erst jetzt abschließend beurteilt werden. Die Fortsetzung der archäologischen Grabung im Turm der St. Remigiuskirche verschaffte Gewissheit darüber, was die Archäologen bereits früh in Erwägung zogen, aber kaum zu hoffen wagten: Bei einer zunächst rätselhaften kreisrunden Baustruktur handelt es sich um ein Taufbecken. Bereits während der Untersuchung der zwei Sarkophag-Gräber wurde ein älteres Mauerwerk beobachtet, das bei der Anlage der Gräber etwa zur Hälfte zerstört worden ist. Seine tiefe Lage und die mittlerweile geborgenen Funde belegen, dass das Taufbecken aus dem 6. oder 7. Jahrhundert stammt.
Damit ist der Befund das bislang älteste entdeckte Bauzeugnis in der St. Remigiuskirche. Seine Bedeutung geht aber darüber hinaus. Mit dem Taufbecken gelang der seltene bauliche Nachweis eines frühchristlichen Tauforts am Rhein, der in vergleichbarer Form nur noch in Boppard und in Köln belegt ist.
Bei dem Taufbecken handelt es sich um eine sogenannte Piscina. Das kreisrunde Becken mit einem Innendurchmesser von ca. 1,3m war circa 40cm in den Boden eingetieft. Dem frühmittelalterlichen Taufritual entsprechend bestieg der entkleidete Täufling das mit geweihtem Wasser gefüllte Becken und wurde vom Taufzelebranten mit Weihwasser übergossen. In den zeitgenössischen Quellen wird diese aus dem spätantiken Ritus hervorgegangene Liturgie als Infusio bezeichnet. Die Liturgie erforderte verschiedene Räume neben dem Taufort, die der Unterweisung, Vorbereitung sowie dem Ent- und Bekleiden dienten. Wo diese Funktionen verortet waren, wird möglicherweise bei den laufenden Ausgrabungen geklärt werden können.
Die Stadt Ingelheim am Rhein, die katholische Kirchengemeinde St. Remigius und die Diözese Mainz sind bereits in Gespräche eingetreten, die auf eine öffentliche Präsentation der Taufpiscina und der weiteren exzeptionellen Grabungsfunde abzielen.

Die Kirchengemeinde und das Bistum Mainz haben es zudem ermöglicht, dass die Ausgrabungen an der St. Remigiuskirche für dieses Jahr noch um eine weitere Kampagne verlängert werden können. Seit Mitte Juni sind die Archäologen dabei, zwei neue Bodenöffnungen in bisher unerforschten Bereichen durchzuführen. Besonders interessant ist hierbei diejenige Grabungsfläche, die sich im Kircheninnenraum befindet. Durch notwendige Baumaßnahmen im Kirchenschiff ergab sich für die Wissenschaftler die Möglichkeit, einen Grabungsschnitt im Innern der Kirche anzulegen. Die zweite Grabungsfläche befindet sich außerhalb der Kirche vor dem Südportal. Die Forscher sind gespannt, was die diesjährige Kampagne, die bis September dauern wird, an Überraschungen und Erkenntnissen bereit hält. Für 2014 ist die zugunsten der Ausgrabungen verschobene Neugestaltung des Kirchhofes vorgesehen.


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