
Auch in diesem Sommer geht die archäologische Erforschung in und um die Kaiserpfalz Ingelheim weiter. Die Forschungsstelle führt aktuell zwei Ausgrabungen durch: Eine Fläche liegt am ehemaligen Nordflügel der Kaiserpfalz, zwischen Sebastian-Münster-Straße, Karlstraße und Kaiserpfalz-Parkplatz. Die zweite Grabung findet an der St. Remigiuskirche in der Peripherie der Pfalz statt.
St. Remigius
Durch die aktuelle Forschungskampagne an der Remigiuskirche ließen sich bereits weitere Erkenntnisse über die Baugeschichte des Gotteshauses gewinnen. Nachdem in 2010 erstmals Nachweise eines älteren Vorgängerbaus gefunden wurden, konnte dieser jetzt auch in weiteren Grabungsflächen an anderer Stelle belegt werden. Die angetroffenen Mauerreste deuten darauf hin, dass der Vorgängerbau wohl früher entstand, als im letzten Jahr zunächst angenommen. Offensichtlich stammen sie von einem früh- oder hochmittelalterlichen Langhaus. Demnach gehört der Bau nicht originär zum staufischen Turm, sondern stammt aus der Zeit vor 1000.
Nordflügel
Grabung am Nordflügel. | © Dass sich auch nach Jahren der archäologischen Forschung im Saalgebiet die Möglichkeiten für die Wissenschaft
noch nicht erschöpft haben, zeigt die Grabung am Nordflügel der Kaiserpfalz. Hier wurde kürzlich durch den Abriss
zweier baufälliger Wohngebäude in der Sebastian-Münster-Straße der Zugang zu einer bisher noch nie untersuchten
Fläche möglich. Nach dem Abschluss der Bodenuntersuchungen wird die denkmaltouristische Erschließung erfolgen,
die eine dauerhafte Präsentation der Überreste des Nordflügels zum Ziel hat. Der Nordflügel war eines der drei
bedeutendsten Bauteile des Gründungsbaus der Kaiserpfalz im 8. Jahrhundert, neben der Aula regia und dem
Halbkreisbau. Der langgestreckte Gebäuderiegel bildete die nördliche lange Seite der Hufeisenform des
Kaiserpfalzgrundrisses, zu der die heutige Karlstraße parallel verläuft. Im Stadtbild war der Nordflügel bisher
nicht wahrnehmbar, obwohl er stellenweise sogar im überirdischen Mauerwerk heutiger Wohngebäude erhalten ist.
Grabung am Nordflügel. | © Tag des offenen Denkmals
Die Grabungsflächen können am diesjährigen Tag des offenen Denkmals am 11. September von 11 bis 16 Uhr besichtigt werden. Vor Ort informieren die Grabungsleiter Matylda Gierszewska-Noszczyńska und Piotr Noszczynski über den Fortschritt der Untersuchungen. Außerdem kann man der Grabungsmannschaft bei der Arbeit über die Schulter schauen. Darüber hinaus werden an diesem Tag weitere aktuelle Projekte im Kaiserpfalzgelände vorgestellt. Dazu gehören die denkmaltouristische Erschließung des derzeitigen Grabungsareals am Nordflügel, sowie die Fassadenmalerei und die Neugestaltung der Grünanlage mit einem Kräutergarten am Heidesheimer Tor. An diesen Stationen informieren Mitarbeiter der Forschungsstelle von 11 bis 12.30 Uhr und von 14 bis 16 Uhr über die Projekte. Des Weiteren laden von 11 bis 16 Uhr stündliche Führungen zum Kennenlernen des Kaiserpfalzgebietes und seiner Geschichte ein.
Im Museum bei der Kaiserpfalz erwartet Kinder und Jugendliche von 11 bis 12.30 Uhr das museumspädagogische Programm "Karl der Große baut eine Pfalz in Ingelheim". Hier werden Kinder von Kindern geführt, und im Anschluss daran ist beim Zusammensetzen von Keramik-Bruchstücken archäologischer Spürsinn gefragt.