
Rekonstruktion des Nordflügels | ©
Die Formen und Dimensionen der Kaiserpfalz Karls des Großen waren monumental –
selbst an den Maßstäben unserer Gegenwart gemessen stellt sie sich als
aufwändiger Großbaukomplex dar. Aktuelles Beispiel ist der Nordflügel: 75
Meter lang, bis 30 Meter breit, die Firstlinie auf der Höhe des Saalkirchendaches,
ausgestattet mit einem kostbaren Säulengang und mit Balkonen auf der Rheinseite. Die
Archäologen der Kaiserpfalz-Forschungsstelle haben den Bau am Computer bis in Details
rekonstruieren können. Jetzt wird ein Teil dieser Anlage im Saalgebiet wieder sichtbar
gemacht.
Hierzu werden Mauerreste im Boden des Gartengrundstücks Karlstraße 7 freigelegt und das Gelände um circa 1,1 Meter auf das historische Laufniveau abgesenkt. Die Mauerreste werden dauerhaft gegen die Witterung geschützt, und analog zum Präsentationsbereich am Heidesheimer Tor wird der Säulengang des Nordflügels mit zwei Nachbildungen befundgerecht dargestellt. Das Archäologische Fenster soll, im Gegensatz zu den bisher vorhandenen Präsentationsbereichen dieser Art, aus Rücksichtnahme auf die Belange der Anwohner für Besucher nicht begehbar sein. Durch ein Podest, das von der Karlstraße zugänglich ist, hat der Besucher die Möglichkeit, die Dimensionen des Nordflügels wie von einer Bühne aus zu überblicken.
Plan des neuen Präsentationsbereichs | © Weiter nördlich in der Sebastian-Münster-Straße wurde durch den Abriss zweier baufälliger Wohnhäuser der Blick auf die ehemalige Rheinfront des Nordflügels frei, welche bis zu einer Höhe von 6,5 Meter erhalten ist. Hier wird ein barrierefreies Bronzetastmodell aufgestellt, dessen Aufgabe es ist, die Überlagerung des Kaiserpfalzgrundrisses und der heutigen Ortsstruktur zu verdeutlichen. Es soll Besuchern, die sich der Kaiserpfalz vom Parkplatz in der Natalie-von-Harder-Straße nähern, erste Orientierung bieten, und den Gästeführern und ihren Gruppen als wertvolle Ergänzung der Führungen dienen.
Der Baustart erfolgt Mitte Oktober mit Erd- und Rohbauarbeiten. Für die
Bauausführung ist die Fällung zweier wild gewachsener Ahornbäume notwendig,
für die Ersatzpflanzungen vorgesehen sind.
Die Maßnahmen wurden im April diesen Jahres vom Bau- und Planungsausschuss
beschlossen. Die Denkmalfachbehörde, die untere Denkmalschutzbehörde sowie die
Anlieger wurden bereits während der Entwurfsphase in die Planungen eingebunden und
hatten dieser im Vorfeld zugestimmt. Die Bauzeit beträgt einschließlich der
zurzeit laufenden Ausgrabungen ein Jahr.