
Besucher auf nächtlicher Zeitreise - Suche nach Bezügen zwischen Farben, Geschichte und der Bedeutung der Ingelheimer Pfalz. | © Die Kaiserpfalz im Licht der Jahrhunderte“ – das konnten die Besucher der diesjährigen Nacht der Kunst in der Kaiserpfalz Ingelheim erleben. Den besonderen Reiz des Abends machte – neben der nächtlichen Atmosphäre – die bunte Beleuchtung der Denkmäler aus. Die historischen Mauern in der Aula regia, am Heidesheimer Tor, an der staufischen Wehrmauer „Im Saal“ und an der Warmluftheizung erstrahlten in goldgelb und grün, während die Saalkirche in purpur getaucht war. Die drei Farben markierten dabei je eine bestimmte Epoche in der Baugeschichte der Kaiserpfalz – Zeit der Karolinger, Zeit der Ottonen, Zeit der Staufer – und haben gleichzeitig jede eine symbolische Bedeutung für eine Epoche.
Alle Überreste aus der Karolingerzeit waren grün beleuchtet. Die Farbe Grün stand hierbei für den Baustoff Porphyr, eine sehr seltene Art grünen Marmors. Die Verwendung dieses vornehmen Prunksteins blieb in der römischen Kaiserzeit dem Kaiser vorbehalten. Die Karolinger verwendeten diesen Baustoff zur Ausschmückung der Ingelheimer Kaiserpfalz gemäß ihrem Rückbezug auf antike Vorbilder und die Kaiserwürde der antiken Herrscher.
Die Saalkirche angestrahlt in Purpur - als farbige Markierung für die Zeit der Ottonen in der Kaiserpfalz. | © Ebenfalls der Gebrauch des Farbstoffes Purpur ist wegen seiner Kostbarkeit seit jeher ein Zeichen von Herrscherwürde. In diese Farbe getaucht konnte man die Fassaden der Saalkirche bewundern. Erbaut von Otto dem Großen stand sie während der Herrscherperiode der Ottonen und Salier im Zentrum der Nutzung als Fest- und Synodalpfalz. Die purpurfarbene Pergamenturkunde der Heirat von Otto II. mit der byzantinischen Prinzessin und späteren Kaiserin Theophanu befindet sich als Faksimile im Museum bei der Kaiserpfalz. Beide feierten mehrere Osterfeste in Ingelheim und zusammen mit ihrem Sohn Otto III. weilte Theophanu als Regentin mehrere Male in der Kaiserpfalz. Alle Mauerreste aus der Stauferzeit, d.h. die staufischen Wehrmauern und Teile des Heidesheimer Tors, waren in einem warmen Goldgelb erleuchtet. Diese Farbgebung rührt von der prachtvollen Goldschmiedekunst der Staufer her.
Viele Besucher begaben sich im Kaiserpfalzgebiet auf eine nächtliche Zeitreise und spürten den Bezügen zwischen Farben, Geschichte und der Bedeutung der Ingelheimer Pfalz nach. Wer etwas über das Farbkonzept erfahren wollte, konnte sich einer kostenlosen Führung der Ingelheimer Stadtführer unter dem Titel „Die Kaiserpfalz im Licht der Jahrhunderte“ anschließen. Der nicht erwartete große Ansturm an diesem Abend auf das Führungsangebot und eine organisatorische Panne brachten es bedauerlicherweise mit sich, dass nicht alle Interessenten zufrieden gestellt werden konnten. Dafür möchten wir uns bei allen Betroffenen entschuldigen. Die Nacht der Kunst im kommenden Jahr wird hoffentlich wieder reibungslos ablaufen.
Interessante Bilder der Nacht der Kunst 2009 haben wir an dieser Stelle für sie zusammengestellt. Bitte klicken Sie auf die Bilder, um eine große Ansicht zu erhalten.