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Der Auftakt zu einer Kooperation zwischen der Forschungsstelle Kaiserpfalz Ingelheim und dem Römisch-Germanischen Zentralmuseum in Mainz - ein Fachkolloquium in Ingelheim diskutiert über Spätantike und Frühmittelalter


Am 12. und 13. November 2018 fand im Ingelheimer Weiterbildungszentrum (WBZ) das Fachkolloquium „Siedlungsräume – Wirtschaftsregionen – Machtzentren“ statt. Die Forschungsstelle Kaiserpfalz und das Römisch-Germanische Zentralmuseum, Leibnitz-Forschungsinstitut für Archäologie (RGZM), hatten dazu in Kooperation mit der Pfalzenforschung Aachen – Ingelheim Wissenschaftler unterschiedlicher Fachgebiete eingeladen. Die Archäologen, Historiker und Kunsthistoriker kamen aus Aachen, Frankfurt am Main, Mainz, Mayen, Trier und Jena nach Ingelheim, um sich über den Stand ihrer Forschung auszutauschen, zu diskutieren und neue Fragestellungen zu entwickeln.

Fachkolloquium in Ingelheim | © 

Zum Auftakt der Veranstaltung unterzeichneten Irene Hilgert, Kulturbeigeordnete der Stadt Ingelheim, und Professor Dr. Alexandra W. Busch, Generaldirektorin des Römisch-Germanischen Zentralmuseums, Leibnitz-Forschungsinstitut für Archäologie, einen Kooperationsvertrag über die künftige Zusammenarbeit der beiden Institutionen. Das gemeinsame Kolloquium war damit gleichzeitig Ausdruck dieser neuen offiziellen Vereinbarung zwischen der Forschungsstelle Kaiserpfalz und dem RGZM. Schon seit fünf Jahren arbeitet die Forschungsstelle mit dem in Mayen ansässigen Kompetenzbereich „Vulkanologie, Archäologie und Technikgeschichte“ des RGZM an gemeinsamen Projekten. Insbesondere diese Zusammenarbeit soll zukünftig intensiviert werden, um durch bessere Vernetzung die jeweiligen Kompetenzen stärker zu bündeln.


Das Kolloquium war in sechs Sektionen unterteilt, die sich ganz unterschiedlichen Themenbereichen der Erforschung von Spätantike und (Früh)-Mittelalter widmeten. In den beiden ersten Abschnitten ging es um die Vorgeschichte der karolingischen Pfalzanlage „auf dem Weg zum Herrschaftsort“: Matylda Gierszewska-Noszczyńska und Piotr Noszczyński von der Forschungsstelle Kaiserpfalz stellten in ihren Beiträgen den aktuellen Kenntnisstand der merowingischen Epoche Ingelheims dar. Die umfassenden Ausgrabungen der letzten Jahre haben gezeigt, dass die Pfalz Karls des Großen nicht auf einer „grünen Wiese“ erbaut wurde. Ihre Keimzelle liegt vielmehr in den rund 250 Jahren vor der karolingischen Zeit, also zwischen 500 und 750 n.Chr. An der Stelle der späteren Pfalz im heutigen Saalgebiet von Nieder-Ingelheim gab es in dieser Zeit bereits einen von einem Wassergraben geschützten Siedlungsplatz. Zu den bereits seit Längerem bekannten merowingischen Hofstellen und Gräberfeldern kam bei den Ausgrabungen des Jahres 2017 an der Wilhelm-von-Erlanger-Straße ein weiterer Siedlungsplatz mit rund 20 frühmittelalterlichen Grubenhäusern hinzu.

Fachkolloquium in Ingelheim | © 

Auf demselben Gelände fanden sich inmitten der merowingischen Siedlungsreste auch Spuren aus römischer Zeit. PD Dr. Peter Haupt von der Johannes Gutenberg-Universität, der an den Ausgrabungen beteiligt war, berichtete von einer römischen Wasserleitung aus Tonrohren, Grabgärten und zahlreichen Münzfunden. Letztere deuten nach Ansicht des Experten auf ein römisches Heiligtum hin. Die früher bisweilen geäußerte Vorstellung, dass es in Ingelheim einen römischen Vorläufer der späteren Kaiserpfalz – etwa in Gestalt eines Statthalter-Palastes – gegeben haben könnte, verwarf Haupt. Eine zivile römische Siedlung (vicus) dürfte es nach derzeitigem Wissensstand im heutigen Nieder-Ingelheim aber gegeben haben. Dessen genaue Topographie und Ausdehnung ist aber noch nicht bekannt. Die bisherigen Vorstellungen der römerzeitlichen Besiedlung Ingelheims müssen jedenfalls auch aufgrund der neuen Entdeckungen an der Wilhelm-von-Erlanger-Straße überdacht werden.

Holger Grewe, Leiter der Forschungsstelle Kaiserpfalz, unterstrich in seinem Vortrag die Bedeutung der St. Remigius-Kirche für die Anfänge Ingelheims. In der Zeit vor 1000 n.Chr. war sie als Pfalzkirche in Benutzung. Ihr Ursprung liegt jedoch wesentlich früher. Baubefunde und Gräber datieren den frühesten Vorgänger der Kirche in die zweite Hälfte des 7. Jahrhunderts n. Chr. Das vor einigen Jahren unter dem Kirchturm von St. Remigius entdeckte mittelalterliche Taufbecken (piscina) stellt das bislang älteste Bauzeugnis der Kirche dar. Mit der Entdeckung dieses Beckens gelang der seltene Nachweis eines frühchristlichen Taufortes am Rhein, den es in baulich vergleichbarer Form nur noch in Boppard und in Köln gibt.

Einen weiteren Schwerpunkt der Tagung bildete die Region um Mayen in der Vulkaneifel. Durch die verfügbaren Rohstoffe und die verkehrstechnisch günstige Lage in Rheinnähe kam es dort schon früh zu einer Produktion auf frühindustriellem Niveau. Mühlsteine aus Basaltlava, Baumaterial aus Tuffstein und Keramik aus Ton wurden von dort auch in die Region Mainz/Ingelheim verhandelt, wie Dr. Stefan Wenzel, Dr. Angelika Hunold und Dr. Holger Schaaff, Leiter des Kompetenzbereichs „Vulkanologie, Archäologie und Technikgeschichte“ (VAT) des RGZM in Mayen, erläuterten.

Fachkolloquium in Ingelheim | © 

Der zweite Tag des Kolloquiums begann mit einem gemeinsamen Rundgang der Teilnehmenden durch das Saalgebiet, kompetent begleitet durch die Ausführungen von Dr. Barbara Gärtner und Ramona Kaiser von der Forschungsstelle. Die Kunsthistorikern Patrizia Bahr von der Forschungsstelle warf anschließend einen Blick auf die Ausstellung „Der charismatische Ort“, die ab dem 20. August 2019 im Alten Rathaus von Ingelheim zu sehen sein wird. Ramona Kaiser stellte in ihrem Vortrag einige ausgewählte Metallfunde aus dem Saalgebiet vor. Obwohl auch aufgrund der Beraubung der meisten fränkischen Gräber bislang nur wenige Trachtbestandteile gefunden wurden, kann man sagen, dass in Ingelheim auch schon vor den Karolingern wohlhabende Menschen gesiedelten haben.

Karolingische Königssitze gab es aber nicht nur in Ingelheim: So stellte der Aachener Stadtarchäologe Andreas Schaub die spektakulären Ergebnisse neuester Ausgrabungen vor, die das bisherige Bild der Aachener Pfalz deutlich verändern. So wurde das in Aachen mittlerweile nachgewiesene spätrömische Kastell erst im 12. Jahrhundert abgebrochen. Bis dahin bildete es einen Teil der Pfalzanlage. Ein lange Zeit unbekannter frühmittelalterlicher Herrschersitz lag auch auf dem Veitsberg in Salz an der Saale. Petra Wolters von der Friedrich Schiller-Universität in Jena berichtete von den dortigen Ausgrabungen.

Das nächste Fachkolloquium wird im Rahmen der Kooperation am 28./29. November 2019 in Mayen stattfinden. Dabei wird es unter der Überschrift „Keramik zwischen Produktion und Handelsware“ um alle Aspekte der Tonwarenherstellung und Vermarktung gehen, wie Dr. Lutz Grunwald aus dem Kompetenzbereich „Vulkanologie, Archäologie und Technikgeschichte“ (VAT) des RGZM in Mayen vor seinem abschließenden Einstimmungsvortrag „Feine Waren aus Mayen: Kontinuitäten und Brüche in der Keramikproduktion von der römischen Epoche bis in das Hochmittelalter“ andeutete.

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