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Nicht nur eine Kaiserpfalz Karls des Großen –
Ingelheim entdeckt seine Anfänge im Frühmittelalter


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Dass Ingelheim mit der Kaiserpfalz Karls des Großen über ein faszinierendes Geschichtszeugnis und identitätsstiftendes kulturelles Erbe verfügt, ist allgemein bekannt. Die eindrucksvollen Reste der Palastarchitektur Karls des Großen prägen das Stadtbild bis heute. Dass Ingelheim aber eine noch ältere und mindestens genauso interessante geschichtliche Facette hat, dieses Geheimnis gab erst kürzlich die St. Remigiuskirche in Nieder-Ingelheim preis. Hier zeigten archäologische Ausgrabungen der Forschungsstelle Kaiserpfalz Ingelheim: Die Remigiuskirche entstand spätestens um 700, und damit lange bevor Karl der Große Ingelheim als Standort für einen seiner prächtigsten Herrschersitze auserkor. Anhand der neuen Datierung kann St. Remigius nun als eine der frühesten merowingerzeitlichen Kirchengründungen am Mittelrhein bezeichnet werden. Karl der Große gründete mit seiner Kaiserpfalz also nicht den Ort Ingelheim, sondern traf hier bereits gewachsene Strukturen mit einem sakralen Zentrum an. Einige der frühen Christen, die mit dem Bau der Kirche ihre Spuren in Ingelheim hinterlassen haben, liegen bis heute in einem Gräberfeld am Fuß der Kirche begraben. Dieses frühmittelalterliche Gräberfeld gehört ebenfalls zu den Neuentdeckungen der jüngsten Forschungen seit 2010.

laufende Grabungen an der St. Remigiuskirche laufende Grabungen an der St. Remigiuskirche | © 

Doch damit nicht genug der Erkenntnisse: Ein nicht minder spannender Fund erwartete das Archäologen-Team im Inneren der Kirche, wo 2012 erstmals Ausgrabungen stattfinden konnten. Beim Öffnen des Bodens kamen zwischen den Turmfundamenten zwei Sarkophag-Gräber zum Vorschein. Eine umfangreiche Freilegungs- und Bergungsaktion mit schwerem Spezialgerät war erforderlich, bevor die Steinsärge etwas über ihren Inhalt preisgaben. Ausgerüstet mit Mundschutz und Schutzanzügen wegen möglichem Keimbefall konnten die Bestatteten daraufhin von den Archäologen und Restauratoren untersucht werden. Die Sarkophage stammen nach der vorläufigen Datierung der Knochen und der stilistischen Gestaltung der Sargdeckel aus dem 11. Jahrhundert. Da solche Sarkophag-Gräber zu einer seltenen und kostbaren Form der mittelalterlichen Bestattungen zählen, ist anzunehmen, dass die Toten geistliche Würdenträger waren oder zur Elite der hochmittelalterlichen Gesellschaft Ingelheims gehörten. Auch die Lage der Sarkophage an einem prominenten Platz sehr dicht am Hauptaltar lässt darauf schließen, dass die Bestatteten eine bedeutende Stellung inne gehabt haben müssen. Durch die aktuell andauernden Untersuchungen des Turminneren erhoffen sich die Forscher weitere Erkenntnisse. Die Entdeckung der Sarkophage stellt für das Archäologen-Team einen Höhepunkt in dem Forschungsprojekt an der St. Remgiuskirche dar, das inzwischen bereits im dritten Jahr in Folge durchgeführt werden konnte. Die umfangreiche Kirchengrabung wurde möglich durch die Bereitschaft der Kirchengemeinde und des Bistums Mainz, den Beginn der geplanten Umgestaltung des Kirchhofs zeitlich zu verschieben.

Veranstaltungshinweis:

Bei einem öffentlichen Abendvortrag am 5. März um 19 Uhr in der St. Remigiuskirche erhalten Interessierte einen detaillierten Einblick in die Entdeckungen der jüngsten Grabungen. Bestandteil des Vortrags von Forschungsleiter Holger Grewe ist unter anderem ein Kurzfilm, der die Bergung der Sarkophage zeigt und den Besuchern spannende Einblicke in die Arbeit der Archäologen gibt. Zu dem Vortrag laden die Stadt Ingelheim, die Kirchengemeinde St. Remigius, das Bistum Mainz sowie die Generaldirektion Kulturelles Erbe Rheinland-Pfalz ein. Der Eintritt ist frei.


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Der Solidus Karls des Großen: Vorder- und Rückseite der Goldmünze

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