Logo der Kaiserpfalz IngelheimArchäologische Impressionen: Blick in die Apsis der digitalen Rekonstruktion der Aula regia | Steinfunde mit Maßstab | Abbildung der Kaiserweihe aus der Gothaer Weltchronik

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Inhalt:

Archäologie

Forschungsgeschichte

1909 - 1935



 

Früheste systematische Ausgrabungen unter Leitung von Christian Rauch

Ausgrabungen auf dem 'Saalplatz', 1910 Ausgrabungen auf dem "Saalplatz", 1910 | © 

Auf dem Saalplatz (heute Sebastian-Münster-Straße) wurden zahlreiche Baubefunde angetroffen, die die Ausgräber zu den Bauten der Pfalz Karls des Großen rechneten. Darunter befanden sich Apsidenbauten sowie das sog. "Karlsbad" (heute genannt Bassin der Fernwasserleitung). Das aus Steinquadern errichtete, etwa quadratische Becken mit Wasserzu- und -ablauf deutete C. Rauch - vielleicht in Bezugnahme auf die in der Vita Karoli Magni überlieferte Vorliebe Karls des Großen für Badegenüsse in den Thermen der Pfalz zu Aachen - zunächst als Bad. Die geringe Größe des Beckens und der Zulauf von nur kaltem Quellwasser aus dem Mainzer Berg stehen dieser Deutung jedoch entgegen, von der C. Rauch in einem Grabungsbericht 1960 selbst Abstand genommen hat.

Umfangreiche Ausgrabungen galten auch dem Inneren der Saalkirche und dem Kirchhof. Die Vielzahl der aufgedeckten Mauern wurde vermeintlich auf einen dreischiffigen basilikalen Vorgängerbau bezogen, der als Pfalzkapelle Karls des Großen gedeutet wurde. Folgende Grabungsberichte erschienen dazu von C. Rauch (in Auswahl):

Ausgrabung im Inneren der Saalkirche 1909/10 Ausgrabung im Inneren der Saalkirche 1909/10 | © 

In den Jahren 1913 und 1914 wurden zahlreiche Bodenöffnungen im Ostteil des Pfalzareals unternommen, die zur Entdeckung einer monumentalen Exedra mit 89m Durchmesser führten. Auf der Innenseite dieser Halbkreisarchitektur wurde ein Säulengang angetroffen. Das Foto entstand am 8.4.1914 nach der Entdeckung einer Säulenbasis in Originallage. Die Personen sind Christian Rauch (rechts) und der Architekt und Zeichner Franz Krause.

Die fünf von 1909-14 unternommenen Grabungskampagnen sind durch den Ausbruch des Weltkrieges beendet worden. Die Pfalz Ingelheim ist einer substanzbedrohenden Entwicklung entgangen: Es waren Planungen Kaiser Wilhelms II. in Gang gesetzt worden, das Denkmal baulich zu rekonstruieren, ähnlich dem Wiederaufbau der Hohkönigsburg im Elsaß oder des Limeskastells Saalburg im Taunus. Einer Notiz aus den Tagebüchern Christian Rauchs ist der Hinweis zu entnehmen, dass der Kaiserbesuch für den 20. August 1914 avisiert war: "Von Exc. Hombergk, Minister des Inneren, Besuch des Kaisers auf Einladung des Großherzogs für 20. August in Aussicht genommmen". Es ist nicht sicher, dass die unterdessen begonnene denkmalpflegerische Diskussion um Wert und Sinnhaltigkeit der Rekonstruktionen den Wiederaufbau verhindert hätte.

Idealisierter Grundriss der Kaiserpfalz, Gesamtplan der Ausgrabungen C. Rauch 1909-14 Idealisierter Grundriss der Kaiserpfalz, Gesamtplan der Ausgrabungen C. Rauch 1909-14 | © 

Der Hauptverdienst der Untersuchungen besteht darin, dass erstmals eine ungefähre Kenntnis von der Größe der Pfalzanlage und vom Grundriss ihrer einzelnen baulichen Glieder gewonnen war.

Längsschnitt Aula regia mit Narthex nach A. Zeller 1935 Längsschnitt Aula regia mit Narthex nach A. Zeller 1935 | © 
Entdeckung einer Säulenbasis im Säulenhof des Halbkreisbaus am 8.4.1914 Entdeckung einer Säulenbasis im Säulenhof des Halbkreisbaus am 8.4.1914 | © 

Kurze Vorberichte über die Grabungen erschienen 1910 und 1915 mit Gesamtplänen. 1930 folgte ein Bericht mit ergänztem Grundrissplan, der die Basis einer Modellrekonstruktion im Maßstab 1:200 bildete. Funde und die Grabungsdokumentation blieben weiterhin unpubliziert. Auch Rauchs Rekonstruktion der Aula regia stieß auf Kritik: Auf Grund statischer Überlegungen rekonstruierte A. Zeller sie nicht als Basilika mit drei Schiffen, sondern lediglich Galerien (Holz) in einem einschiffigem Rechtecksaal.

Ein neues, umfassendes Inventar aller Denkmäler mit umfangreichem Zeichnungsapparat wurde zwischen 1930-35 aufgenommen. Die Zeichnungen von A. Zeller erschienen in:

 
 
 

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Der Solidus Karls des Großen: Vorder- und Rückseite der Goldmünze

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